Komplexe Gewöhnlichkeit

Die städtebauliche Konzeption
ist als Antwort auf die vorhandenen Strukturen des Campus Garching zu verstehen:
so wie die Baumasse, die unter Bezugnahme auf die bestehende Rasterstruktur und die umgebenden Bestandsbauten gesetzt ist, verknüpft sich der Neubau mit seinem direkten Umfeld und verortet ihn in diesem unverrückbar. Mit dem Rückbau des bestehenden Plateaus der alten Mensa bauen wir die zentrale Mitte nach Norden hin weiter und führen sie fort. Diese Maßnahme führt zu einer selbstverständlichen Positionierung des Solitärbaukörpers, der gut sichtbar und prägnant von der zentralen Mitte aus erlebbar wird.

Auf dem neu entstehenden Vorbereich, als räumliche Erweiterung der zentralen Mitte, werden die bestehenden Wegeverbindungen zusammengeführt. Über die mögliche Nachverdichtung auf dem Areal der alten Mensa, z.B. mit einem „IAS des 22. Jahrhunderts“, könnte dem Vorbereich weitere Qualität verliehen werden.

Die Durchwegung des Neubaus von Süd nach Nord reagiert auf die neu geschaffene Freifläche im Vorfeld des Katalysezentrums. Auf diese Weise werden auch die bestehenden Institutsbauten sowie mögliche Neubauten und Nachverdichtungen, die sich im Norden der neuen Mensa befinden, sehr gut angebunden.

Die Organisationsform des Quadrats dient der inneren Funktion und ist der Vorstellung von einem richtungslosen Solitärbaukörper entlehnt, der sowohl von außen als auch in sich zentriert die „Mitte“ darstellt und verkörpert. Die Ausbildung von unattraktiven „Rückseiten“ haben wir bewusst vermieden.
Wir verstehen die Neue Mensa als die neu geschaffene „Kardia“, das Herz des Campus. Als einen Lichtkörper, ein durch einen Filter umhülltes Gefäß, das im Wechselspiel Mensch und Materie aufnimmt und wieder loslässt. Diese Vorstellung findet sich auch im Umgang mit dem Licht und den Sichtbeziehungen wieder. Licht fällt in die Mensa ein, gleichermaßen strahlt sie von innen heraus.

Über einen Hof, einen zentralen Treffpunkt als funktionsverbindende ‚Agora‘ werden die einzelnen Bereiche erschlossen. Sie dient als Freifläche für die Cafeteria und ist Ort der Begegnung und der Kommunikation. Die ‚Agora‘ wird von schattenspendenden Kiefern überstanden. Das Foyer als räumliche Erweiterung der ‚Agora‘ beherbergt die Vertikalerschliessung, die Basis (Sockel) und Raum (Speisesaal) verbindet.

In der Basis sind die öffentlich zugänglichen Bereiche um die ‚Agora‘ gruppiert: Foyer, Cafeteria und CampusCneipe sorgen für pulsierendes, kommunikatives und studentisch-attraktives Leben.

Für das Obergeschoss gilt: Vorbereiten, Kochen, Ausgeben, Essen, Rückgeben und Spülen, gemeinschaftlich auf einer Ebene, der ‚großen Tafel‘. Die Funktionsverteilung gehorcht dem Personen- und Warenfluss, wobei sich der Speisesaal in die Mitte öffnet. Blickbeziehungen über die ‚Agora‘ zur Cafeteria und zum Foyer lassen die räumliche Komplexität spürbar werden und sorgen für gute Orientierbarkeit innerhalb des Organismus. Die konstruktive Struktur des tragenden Gerüstes aus Stahlbeton reagiert auf die Schichtung der unterschiedlichen Nutzungen und räumlichen Strukturen: der Sockel eng und dicht, der Raum (Speisesaal) licht und weit. Ein Tragrost aus Stahlbeton bildet das Dachtragwerk des Speisesaals und verleiht dem Raum in Verbindung mit dem seitlichen Lichteinfall eine einzigartige Atmosphäre.

Der das Gefäß umhüllende Filter weist großflächige Verglasungen auf, die eine hervorragende Ausleuchtung, Blickbeziehungen, Ein- und Ausblicke ermöglichen. In Übergangszeiten leuchtet die Neue Mensa von innen heraus. Die hohe Speichermasse der Konstruktion reguliert dabei ausgleichend die klimatischen Schwankungen.



Wettbewerb: 2012, 1. Preis
Planungsbeginn: Februar 2013
Baubeginn: März 2016

Architekten:
meck architekten gmbh
Andreas Meck, Axel Frühauf
Projektleitung:
Wolfgang Amann
Mitarbeit:
Tobias Jahn, Stefan Mittermaier, Isabel Protschky, Ana Sammeck, Daniel Sommer, Stefan Zöls

Baudurchführung:
Sebastian Kruppa

 

zurück

Informationen

Neubau Mensa, Forschungscampus, Garching